Hüftarthrose (Coxarthrose)

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Das Hüftgelenk

Das Hüftgelenk verbindet den Oberschenkelknochen mit dem Becken. Es handelt sich dabei um ein Kugelgelenk. das heisst, dass der Kopf des Oberschenkelknochens kugelförmig gestaltet ist und in einer passgenauen Schale, der Hüftpfanne, im Becken sitzt.

 

Ein Kugelgelenk ermöglicht einen sehr grossen Bewegungsumfang in allen Richtungen. Für viele Alltagsaktivitäten ist eine gute Hüftbeweglichkeit unabdingbar. Bewegungseinschränkungen führen somit zu erheblichen Funktionseinbussen.

 

Arthrose bedeutet Knorpelschaden

Die eigentliche Gleitschicht - bei der Maschine würde man Lager sagen - in jedem Gelenk ist der Gelenkknorpel. Der Gelenkknorpel ist kaum durchblutet, weshalb sein Stoffwechsel sehr träge ist. Von Schädigungen kann sich der Knorpel deshalb kaum erholen. Chronische Überlastung führt ebenfalls zu einer Degeneration des Knorpels.

 

Der Knorpel wird ausgedünnt, bei der fortgeschrittenen Arthrose fehlt der Knorpel ganz und im Gelenk läuft Knochen auf Knochen. Das Gelenk läuft nicht mehr richtig. Am Gelenkrand kann sich der Abrieb wie das Mehl um einen Mühlstein sammeln und Verknöchern. Dadurch entstandene Knochensporne, sog. Osteophyten, schränken die Gelenkbeweglichkeit ein. Neben Schmerzen stehen dann auch Funktionseinbussen durch den Bewegungsverlust ein. Zur Schonung werden etliche Bewegungen zusätzlich vermieden, einzelne Muskeln verkürzen sich oder verkümmern gar.

 

Im Röntgenbild ist der Gelenkknorpel nicht sichtbar. Dadurch ist zwischen Pfanne und Kopf ein deutlicher Abstand, der Gelenkspalt sichtbar. Bei der Arthrose ist dieser Spalt verschmälert oder gar ganz fehlend. Für die Diagnose der Arthrose stellt somit das konventionelle Röntgenbild noch immer eine unübertroffene Hilfe dar.

 

Die Arthrose der Hüfte, die sog. Coxarthrose, ist von typischen Symptomen geprägt, welche einzeln oder mehrfach vorkommen können: Schmerzen beim Anlaufen beim Aufstehen oder nach Ruhephasen, Ruheschmerzen mit Beeinträchtigung der Nachtruhe, Belastungsschmerzen. Muskeln werden schwach und die Beweglichkeit nimmt ab.
Die Coxarthrose ist keine schwere Erkrankung, welche unbehandelt in Teufels Küche führt. Wenn der Patient aber nachts nicht mehr schlafen kann, die ersten Schritte am Morgen schon qualvoll sind, Spaziergänge kaum mehr möglich sind und die Socken nur noch mit fremder Hilfe angezogen werden können, dann wird der Leidensdruck sehr hoch und eine Therapie unumgänglich.

 

Ursachen

Eine eigentliche Ursache für die Entwicklung einer Coxarthrose kann in der Mehrheit der Fälle nicht gefunden werden. Vereinfachend kann gesagt werden, dass dann meist der Zahn der Zeit am Hüftgelenk genagt hat. Anstelle "altersbedingter" Arthrose wird dann etwas unverfänglicher von einer primären Coxarthrose gesprochen. Erbliche Komponenten, der Gebrauch des Gelenkes (Sport, Arbeit, Übergewicht) und Umwelteinflüsse sind dabei ebenfalls von unbestrittener Bedeutung.

 

Im Rahmen eines Unfallereignisses kann es zu einer direkten Schädigung des Knorpels kommen. Im nebenstehenden Bild ist eine Schenkelhalsfraktur gezeigt, bei welcher der Hüftkopf vom Oberschenkelknochen abgebrochen ist. In diesem Falle wird in den meisten Fällen auch die Durchblutung des Kopfes zerstört, was ebenfalls zu einer raschen und irreparablen Schädigung des Hüftkopfes führt, selbst wenn der eigentliche Bruch wieder verheilt ist.

 

Eine Durchblutungsstörung des Hüftkopfes kann auch ohne Unfallereignis auftreten. Die Ursache dafür ist meist unklar, gelegentlich kann die Erkrankung auf eine Cortisontherapie, Alkoholmissbrauch, genetische Störungen der roten Blutkörperchen etc. zurückgeführt werden.
Eine solche Durchblutungsstörung führt zum Absterben des Hüftkopfes, der sogenannten Hüftkopfnekrose. Dies ist gekennzeichnet durch starke Hüftschmerzen und eine Zerstörung des Gelenkes in kurzer Zeit, d.h. innerhalb weniger Wochen.

 

Anatomische Spielereien können ebenfalls zu einer beschleunigten Knorpelabnutzung führen. Bei der Hüftdysplasie überdacht die Hüftpfanne den Hüftkopf nur ungenügend. Dadurch wird das Körpergewicht auf einer viel kleineren Oberfläche konzentriert, woraus enorme Belastungsspitzen für das Gelenk entstehen. Ähnliche Veränderungen können auch bei Wachstumsstörungen im Hüftgelenk entstehen.

 

Beim Hüft-Impingement besteht ebenfalls durch eine anatomische Abweichung ein mechanischer Konflikt zwischen Schenkelhals und Pfannenrand. Dieser Anschlag wird oft über Jahre toleriert, mit der Zeit entsteht aber eine Gelenkschädigung durch den resultierenden erhöhten Anpressdruck im Gelenk. Die Hüftpfanne ist zudem von einer Gelenklippe, einer Art knorpliger Saugnapf, umgeben. Diese Struktur wird meist zuerst geschädigt. Als Erstsymptom tritt meist ein Leistenschmerz auf, welcher oft anderen Ursachen zugeordnet wird (Leistenbruch etc.). Wird das Hüft-Impingement früh genug erkannt, kann ein gelenkerhaltender Eingriff die Entwicklung einer Arthrose nicht immer verhindern, aber oft erheblich verlangsamen.

 

Weitere Ursachen sind in entzündlichen Erkrankungen zu suchen. Rheumatische Arthritis zerstört ein Gelenk ebenso wie eine Infektion im Gelenk.

Therapie

Solange die Beschwerden erträglich sind, drängen sich keine zwingenden Massnahmen auf. Die abwartende Haltung ist oft nicht unvernünftig. Eine Belastungsreduktion mit Gewichtsabnahme, Anpassung sportlicher Aktivitäten etc. können oft schon zu einer raschen Linderung führen.
Physiotherapie kann helfen, verkürzte Muskeln wieder auf zu trainieren und geschmeidiger zu machen. Eine nachhaltige Linderung bleibt meist aber leider aus.

 

Knorpelaufbaupräparate können nicht halten, was der Name verspricht. Eine relevante Wirkung kann wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden, was leider auch für alternativmedizinische Therapien zutrifft.

Die gelegentliche Einnahme von Schmerzmitteln hat durchaus ihre Berechtigung. Wenn Paracetamol und sog. Entzündungshemmer ("Voltaren-Verwandte") nur noch ungenügend helfen oder tagtäglich zur Meisterung des Alltages eingesetzt werden müssen und alle anderen Stricke gerissen sind, dann muss das mechanische Problem der Hüftarthrose auch mechanisch gelöst werden. Bei entsprechendem Leidensdruck darf dann die Indikation zum Gelenkersatz, der Hüft-Totalprothese gestellt werden.

 

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